Rahmenkonzept: Die Idee hinter sawa

Das folgende Rahmenkonzept beschreibt die Idee hinter dem Verein sawa – gemeinsam e. V. Es ist entstanden auf der Grundlage von Reflexion und Weiterdenken der Erfahrungen aus den ersten Jahren unserer Vereinstätigkeit. Beschrieben werden (1) das grundlegende Anliegen des Vereins, (2) die Adressat*innen, (3) unsere Motivation, (4) die konkreten Tätigkeiten, die unsere Anliegen verwirklichen sollen und (5) der Sinn-Horizont, auf den der Verein sich hinbewegen will.

sawa ermöglicht Begegnung …

Alles wirkliche Leben ist Begegnung.
(Martin Buber)

Wir möchten Begegnung, als personenzentrierten Ansatz, der gegenseitige Wertschätzung fördert, das Zusammentreffen von Menschen, das sich Begegnen, Begegnung mit anderen, um sich selber zu begegnen, sich selbst bewusster zu werden, sich selbst zu erforschen, zu wachsen, der Kontakt mit eigenen und fremden Gefühlen im hier-und-jetzt, als Grundlage für gegenseitiges Zuhören und Verstehen, und Kernstück sozialen Miteinanders, Begegnung auf Augenhöhe, als Verringerung des Abstandes zwischen Subjekten,

… zwischen Menschen in Deutschland, Syrien und Jordanien …

Der Verein wurde von syrischen und deutschen Menschen gegründet. Deren Beziehungsnetzwerke (Familie, Freund*innen, Bekannte…) sind die hauptsächlichen Adressat*innen der Vereinsarbeit. Damit ergibt sich einerseits eine Weite und Offenheit, die Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund ansprechen will. Adressat*in-Sein ist somit auch nicht an Mitgliedschaft gebunden. Andererseits konkretisiert sich der Kreis derjenigen, die wir ansprechen möchten durch die persönlichen Beziehungen und das grundsätzliche Anliegen der Begegnung (s. „… indem wir neue Beziehungen …“), das sich eben über die Einbindung in die Beziehungsnetzwerke in und zwischen den genannten Ländern zeigt.

… weil es uns eine Herzensangelegenheit ist.

Wir sind berührt vom persönlichen und direkten (Er-)Leben eines „anderen“ Landes, einer „anderen“ Kultur, dem erlebten Miteinander und den vereinenden Gemeinsamkeiten. Ganz besonders verbunden fühlen wir uns den Menschen, denen wir begegnet sind. Mit denen wir gelacht und geweint haben, die wir uns gegenseitig ins Herz geschlossen haben. Ein Telefonat, eine Karte, eine Nachricht zeigt: wir sind da füreinander, denken aneinander und können hoffentlich auch wieder miteinander sein.

… weil wir es als wert-, sinnvoll und friedensfördernd erachten.

Neben, wenn auch nicht losgelöst von der gerade beschriebenen Motivation aufgrund persönlicher Erfahrungen mit den konkreten Menschen sind wir überzeugt, dass die Begegnung zwischen Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten einen Wert an sich darstellt. Gleichzeitig wird sie über sich hinaus wirksam und fördert Verständnis, menschliches Wachstum und letztlich Frieden in einem holistischen Sinn, wie es auch im arabischen Wort Salām (bzw. aramäisch Schlomo oder hebräisch Schalom) zum Ausdruck kommt (s. auch „… um zur interkulturellen Verständigung …“).

… indem wir neue Beziehungen knüpfen und bestehende pflegen.

Es sind Aufmerksamkeiten und Gesten, die dem Leben wie auch zwischenmenschlichen Beziehungen ihren Wert geben. In vielfältiger Weise ausgedrückt, erfährt das Gegenüber durch Worte und Handlungen, dass es in der Gedanken- und letztlich auch Lebenswelt des Gegenübers ist. Wenn Menschen auch nur einen kleinen Teil ihres Lebensweges gemeinsam beschritten haben, so ist die gemeinsame Erinnerung und die emotionale Verbundenheit Ausgangspunkt für Beziehung.

… durch gegenseitige Besuche.

Begegnung ereignet sich konkret, zwischen Menschen, die sich die Hände schütteln oder umarmen, in die Augen schauen, gemeinsam essen und trinken, arbeiten, singen, tanzen … – zumindest im Idealfall (vgl. aber unten „… durch Korrespondenz …“ sowie „… durch Herrausgabe …“). Um solche Begegnungen zu ermöglichen, sind gegenseitige Besuche im Rahmen von Reisen essentiell. Die beteiligten Menschen und ihre Interaktion findet dabei nicht im luftleeren Raum statt, sondern in konkreten Kontexten. Neben dem Erleben und Erfahren der Menschen ist daher auch das Kennenlernen des Kontextes, also Geschichte, Kultur, Politik, Gesellschaft und die Küche der besuchten Region wichtig.

… durch die Förderung von internationalen Freiwilligendiensten.

Sawa wurde von Menschen gegründet, die sich im Rahmen internationaler Freiwilligendienste junger Menschen in Syrien und Deutschland kennen und schätzen gelernt haben. Wir kooperieren mit SoFiA e.V. (Bistum Trier) als Träger internationaler Freiwilligendienste bei der Organisation von Freiwilligendiensten von und nach Syrien / Jordanien / Deutschland. Dies geschieht sowohl durch die konkrete Partnerschaft mit Einsatzstellen als auch durch die persönliche Vorbereitung und Begleitung der ausgewählten Freiwilligen.

… durch gemeinsame Aktivitäten.

Als niedrigschwellige Form der Zusammenkunft haben sich vierteljährliche Happenings in verschiedenen deutschen Städten etabliert. Hierbei lädt ein Mitglied oder eine in sonstiger Art und Weise dem Verein nahestende Person zu einem zwanglosen Treffen ein. Ziel ist vor allem die Zusammenkunft und das gemeinsame Essen. Mit sawa is(s)t mensch weniger allein.

… durch Korrespondenz und kleine Aufmerksamkeiten.

Da persönliche Begegnung aufgrund von Distanz nicht immer möglich ist, nutzen wir auch das schriftliche Wort, um Beziehungen zu pflegen und zu knüpfen. Nach Syrien und Jordanien nehmen Reisende Postkartengrüße mit; Briefe zu Ostern und Weihnachten zeigen, dass wir aneinander denken.

… indem wir Erfahrungen weitergeben.

“Wenn zwei Knaben jeder einen Apfel haben und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen. Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei Gedanken.” (Platon)

Die bisher ausgeführten Punkte sind Gelegenheiten, Anlässe und Ausgangspunkte, gemachte Erfahrungen weiterzugeben. Die Akteur*innen und schließlich auch die Adressat*innen unserer Arbeit werden Multiplikator*innen, die be-geistert wurden, und diesen Geist weitertragen.

Gemachte Erfahrungen zu teilen, sich zuzuhören und zu diskutieren, gemeinsam zu reflektieren und dies aus verschiedenen Blickwinkeln und vor verschiedenen Hintergründen, kann auch im Rahmen von Vorträgen und Workshops stattfinden. Hierbei geht es uns darum, gemeinsam über Tellerränder zu schauen und neue Geschichten abseits der schon bekannten zu erzählen.

Treffen mit der Jugendgruppe der Gemeinde in Anjara während der Begegnungsreise nach Jordanien 2018.

… um zur interkulturellen Verständigung beizutragen.

Friedliches Zusammenleben von Menschen kann unserer Meinung nach nur durch das Überdenken der eigenen kulturellen Identität und durch Verständnis für die kulturelle Identität des Gegenübers geschaffen werden. Hierzu versuchen wir Räume zu schaffen, Vorurteile zu reflektieren und durch wertschätzendes Erleben ein gemeinsames Miteinander zu finden.

Dabei steht die Ganzheitlichkeit der Verständigung im Vordergrund und damit nicht die bloße abstrakte Wissensvermittlung, sondern das eigene Ausprobieren und Erfahren und damit einhergehend auch Rückschläge und Spannungen, die Bestandteil interkultureller Interaktion darstellen. Hier spielen auch die Nuancen und Schattierungen im Zwischen von kultureller Prägung und individuellem Charakter, von Abstraktion und Konkretion kultureller Formen eine Rolle.

sawa ermöglicht Begegnung …

… zwischen Menschen in Deutschland, Syrien und Jordanien …

… weil es uns eine Herzensangelegenheit ist.

… weil wir es als wert-, sinnvoll und friedensfördernd erachten.

… indem wir neue Beziehungen knüpfen und bestehende pflegen.

… durch gegenseitige Besuche.

… durch die Förderung von internationalen Freiwilligendiensten.

… durch gemeinsame Aktivitäten.

… durch Korrespondenz und kleine Aufmerksamkeiten.

… indem wir Erfahrungen weitergeben.

… um zur interkulturellen Verständigung beizutragen.